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Schwuler Fußballtrainer nach seinem Outing – „Versteckspiele waren absolut zermürbend“

St. Paulis Jugendtrainer Christian Dobrick erfährt viel Rückhalt nach seinem Outing, aber auch Hassnachrichten. „Alle zur Anzeige bringen kann man nicht. Die Zeit möchte ich mir für solche Menschen auch gar nicht nehmen“, sagt er.

St. Paulis Jugendtrainer Christian Dobrick erfährt viel Rückhalt nach seinem Outing, aber auch Hassnachrichten. „Alle zur Anzeige bringen kann man nicht. Die Zeit möchte ich mir für solche Menschen auch gar nicht nehmen“, sagt er.

Über vier Monate nach seinem Outing als schwuler Fußballcoach hat St. Paulis Jugendtrainer Christian Dobrick über seine anfänglichen Ängste vor möglichen beruflichen Konsequenzen gesprochen. „Ich lebe jetzt unter meinen Bedingungen, für mich und nicht mehr für andere. Aber vorher habe ich mir viele Gedanken gemacht: Ist das mein Karriereende? Ist meine Sexualität die gläserne Decke? Ich habe mich innerlich auf den Fall vorbereitet, nicht mehr als Trainer arbeiten zu können“, sagte Dobrick dem „Tagesspiegel“.

Ende März hatte Dobrick seine Homosexualität öffentlich gemacht. Prominente Fußball-Persönlichkeiten wie Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Frauen-Bundestrainer Christian Wück sprachen sich anschließend für einen offeneren Umgang mit Homosexualität im Fußball aus.

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„Dass es so groß wird, habe ich nicht erwartet. Ich dachte, es wird eine Nachricht, und es wird darüber berichtet. Aber die Flut an Reaktionen hat mich überrascht. Ich bin schließlich kein Nationalspieler“, sagte Dobrick rückblickend. Aus seinem persönlichen Umfeld und von seinen Spielern seien die Reaktionen durchweg positiv gewesen.

Man überlegt sich ständig: Was tue ich?

Aber es gibt auch andere Stimmen. „Vereinzelt wurde ich beleidigt, zum Beispiel als ‚Drecksschwuchtel, die Jesus finden soll‘“, berichtete der Fußballtrainer über Hassnachrichten in den sozialen Medien. „Alle zur Anzeige bringen kann man nicht. Die Zeit möchte ich mir für solche Menschen auch gar nicht nehmen“, sagte er.

Für ihn sei es bei seinem Outing darum gegangen, Lebensqualität zu gewinnen. „Die Versteckspiele waren absolut zermürbend. Man überlegt sich ständig: Was tue ich? Wann tue ich es? Wem erzähle ich was? Wenn man dann 29 ist und noch ein paar Jahre vor sich hat im Fußball, muss man sich irgendwann fragen, ob das die Art ist, wie man auf Dauer leben möchte“, erklärte der gebürtige Flensburger.

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Homosexualität ist im Profifußball der Männer noch immer ein Tabuthema, obwohl vor allem Fanvertreter für einen offeneren Umgang werben. In den höchsten drei deutschen Ligen gab es bislang kein Coming-out eines aktiven Profis. Im Fußball der Frauen hingegen spielt die sexuelle Orientierung einer Spielerin schon lange keine Rolle mehr.