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Liveblog zu CSD-Anschlag: ++ Charité: Schwerverletzten geht es besser ++

Laut der Berliner Charité hat sich der Zustand der Schwerverletzten, die seit dem CSD-Anschlag dort behandelt werden, verbessert. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland reagierte mit "großer Bestürzung" auf das Attentat.

Stand: 27.07.2026 • 20:15 Uhr

Die Polizei will den CSD in Hamburg am kommenden Wochenende mit mehr Personal schützen. Der Sprecher von Hamburg Pride fordert ein Umdenken der Politik und eine Wiederaufnahme des bundesweiten Aktionsplans "Queer leben".

Wegner: Todesopfer war Polin

Merz äußert sich zu Folgen des Anschlags

Deutschlandweite Mahnwachen gehen weiter

Winkel fordert Erwachsenenstrafrecht für Gefährder

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Zwei Tage nach dem Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Day haben am Brandenburger Tor erneut Hunderte der Opfer gedacht. Über den Tag verteilt kamen zahlreiche Trauernde dorthin und legten Blumen nieder, wie Reporter berichteten.

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin fordert Innenminister Alexander Dobrindt Konsequenzen. In den tagesthemen sagte der CSU-Politiker, es brauche Regeln, "dass Gefährder nicht nach Jugendstrafrecht behandelt werden und schon gleich gar nicht auf Bewährung in Freiheit kommen". Eine Präventivhaft für Gefährder sei aus seiner Sicht "zwingend notwendig".

Im Fall des mutmaßlichen Attentäters Abdul B. gibt es viele offene Fragen. Der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg sagte im Gespräch mit tagesschau24, offen sei etwa die Frage, warum sich der Mann auf freiem Fuß befinden konnte.

"Wir leben in einem Rechtsstaat und die Einstufung als Gefährder ist im Grunde genommen eine Bewertung, die die Polizei vornimmt, auf der Grundlage dessen, was sie beobachtet, was sie mitbekommt, wie Personen sich verhalten, ob sie Bereitschaft erklären oder zeigen, einen Anschlag zu verüben", so Götschenberg. Ob jemand tatsächlich einen Anschlag verübe, sei eine andere Frage. Personen einfach einzusperren, nur weil sie für gefährlich gehalten würden, sei in einem Rechtsstaat nicht dauerhaft möglich.

Es sei nicht klar, wie lange Abdul B. den Anschlagsplan hatte. "Es gibt Attentäter, die sich sehr kurzfristig entscheiden, einen Anschlag verüben zu wollen. Das wissen wir nicht. Er ist tot", sagte Götschenberg.

Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ hat ein BKA-Analysetool den mutmaßlichen Attentäter vom Berliner CSD schon Wochen vor dem Anschlag als "Hochrisikoperson" bewertet. Bis zuletzt gab es Überwachungsmaßnahmen gegen den Islamisten, auch sein Hauseingang sei überwacht worden. Eine Kamera sei so installiert worden, dass sie den Hauseingang der Wohnung von Abdul B. im Blick hatte. Am Samstagabend habe diese Kamera um 20.58 Uhr aufgezeichnet, dass er das Haus verließ - dennoch kam es zum Anschlag im Tiergarten. Lesen Sie dazu die ganze Recherche:

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat sich für einen verschärften Umgang mit sogenannten extremistischen Gefährdern ausgesprochen. Im Gespräch mit der "Bild" forderte er eine Änderung beim Jugendstrafrecht. "Die Anwendung von Jugendstrafrecht bei erwachsenen Gefährdern ist inakzeptabel", sagte der CSU-Politiker.

Dobrindt sprach sich zudem für einen verstärkten Einsatz von elektronischen Fußfesseln und eine bundesweit einheitliche Regelung zur Präventivhaft für Gefährder aus. "Es braucht in ganz Deutschland anwendbare Präventivhaftregeln, um Gefährder aus dem Verkehr zu ziehen", sagte er der "Bild". Ähnliche Forderungen kommen auch aus der Unionsfraktion im Bundestag. Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm forderte in der "Welt", Bewährungsstrafen für extremistische Gefährder abzuschaffen.

Der Verband "Queere Vielfalt" hat vor einer rassistischen Instrumentalisierung des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin gewarnt. "Wir müssen uns gemeinsam jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenstellen", teilte der Verband mit. Er wandte sich dagegen, dass nun "rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien und Medien den Anschlag missbrauchen, um rassistischen Hass zu schüren".

Queere Menschen in Deutschland müssten zudem effektiver geschützt werden. Eine Konsequenz aus dem Anschlag vom Samstag müsse sein, "dass der Staat konsequenter als bisher gegen queerfeindliche Hetze und Hassgewalt - ob nun von Rechtsaußen oder aus radikal-religiösen Milieus - durchgreifen muss". Zudem brauche es mehr Gewaltprävention.

Nach dem Angriff auf feiernde Menschen beim Christopher Street Day in Berlin will die Polizei den CSD in Hamburg am kommenden Wochenende mit mehr Personal schützen. Zu der Demonstration in Hamburg erwarten die Veranstalter nach Angaben der Polizei 250.000 Teilnehmer.

Die Zahl der Einsatzkräfte für die große Demonstration am Samstag werde noch einmal erhöht, teilte ein Polizeisprecher mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen. "Ob vor, während oder nach der Demo, wir werden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr präsent und ansprechbar sein", sagte der Sprecher.

Der Sprecher von Hamburg Pride, Manuel Opitz, sagte im Interview mit tagesschau24, ihn erreichten bereits viele besorgte und ängstliche Stimmen aus der queeren Community. Zugleich sehe er den Willen, sich dennoch zu zeigen und für die Rechte von queeren Personen einzustehen. In Hamburg findet der Christopher Street Day am kommenden Wochenende statt.

Opitz forderte ein Umdenken in der Politik und der Gesellschaft, denn die Zahl queerfeindlicher Straftaten steige seit Jahren an. Viele Menschen fühlten sich nicht mehr sicher. Diese Veränderung sei besorgniserregend, so Opitz. Deshalb würden auf Bundesebene mehr Maßnahmen für den Schutz queerer Menschen benötigt. Es sei nicht ausreichend, eine Regenbogenflagge zu hissen.

Opitz forderte unter anderem, dass der Aktionsplan "Queer leben" wieder aktiviert werde. Dieser war 2022 von der Koalition aus SPD, Grünen und FDP ins Leben gerufen worden. Die aktuelle Bundesregierung hatte ihn als "abgeschlossen" erklärt. Dagegen gab es Proteste, unter anderem vom LSVD.

Der Deutsche Städtetag hat nach dem Anschlag auf den CSD Berlin dazu aufgerufen, sich Offenheit und Freiheit nicht nehmen zu lassen: "Unsere offene und freie Gesellschaft lassen wir uns nicht nehmen, auch nicht von denen, die Gewalt, Angst und Hass verbreiten wollen", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung. Er sprach von einem tiefen Schock. "Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden. Unsere Gedanken sind bei der Familie der Toten und bei allen Menschen, die unter dieser Tat leiden", sagte er. Ein Fest für Offenheit, Vielfalt und Freiheit sei zum Ziel eines menschenverachtenden Anschlags geworden.

Mit Blick auf die Sicherheit verwies Jung auf die enge Zusammenarbeit der Städte mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Veranstaltern und weiteren Sicherheitsbehörden. Schutzmaßnahmen müssten wirksam sein, ohne öffentliche Räume abzuriegeln. "Absolute Sicherheit kann es nicht geben. Aber es braucht bestmögliche Vorbereitung, klare Verfahren und ein enges Zusammenwirken aller Beteiligten", sagte Jung.

Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day laufen die Vorbereitungen für den CSD in Bremen am 22. August weiter. "Wir werden den Bremer CSD sicher für alle Teilnehmenden auf die Straße bringen", sagte Robert Dadanski vom Bremer CSD-Verein gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.

Mit der Polizei gebe es eine sehr enge und gute Zusammenarbeit. Für den Montagabend ist eine Mahnwache auf dem zentralen Marktplatz der Hansestadt geplant.

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause hat nach dem Terroranschlag am Rande des CSD in Berlin Regenbogenflaggen vor dem Rathaus aufhängen lassen. "Dieser Anschlag richtet sich gegen die LGBTIQ+-Community und gegen unsere demokratische Gesellschaft", schrieb der Grünen-Politiker in einem Brief an den Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

Die bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner Christopher Street Day getötete Frau war eine 65-jährige Mutter aus Polen. Das bestätigte ein Sprecher der Berliner Senatskanzlei am Montag. Die polnische Staatsbürgerin hielt sich den Angaben zufolge gemeinsam mit ihrer Tochter in der Hauptstadt auf. Diese ist selbst schwerverletzt worden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik, hat dazu aufgerufen, der Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen früher entgegenzuwirken. "Die wirksamste Antwort auf islamistischen Extremismus ist ein starker Rechtsstaat und konsequente Präventionsarbeit", sagte die SPD-Politikerin der Rheinischen Post.

Entscheidend sei, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Kinder und Jugendliche müssten extremistische Propaganda erkennen, kritisch einordnen und ihr widerstehen können - sowohl auf dem Schulhof als auch im Internet.

Linken-Chef Luigi Pantisano hat angesichts des CSD-Attentats die Forderung seiner Partei erneuert, die Rechte queerer Menschen im Grundgesetz zu verankern. "Anstatt die Axt an soziale Projekte zu legen, muss die Politik das Fundament legen, um queeres Leben zu sichern in diesem Land", sagte Pantisano am Montag in Berlin.

"Ihre Rechte gehören daher ins Grundgesetz." Geschlechtliche und sexuelle Identität müsse in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden, forderte Pantisano. Die Linken-Bundestagsfraktion stehe bereit für eine Zweidrittelmehrheit, um diese Grundgesetzänderung sofort umzusetzen.

Polens Regierung hat mit Bestürzung und Trauer auf den Tod einer polnischen Staatsbürgerin bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des CSD in Berlin reagiert. "Wir sprechen der Familie und den Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus", schrieb der Sprecher des Außenministeriums auf X.

Der polnische Konsul in Berlin stehe in Kontakt mit den deutschen Behörden und werde der Familie die notwendige konsularische Unterstützung zukommen lassen. Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bekanntgegeben, dass es sich bei dem Todesopfer um eine polnische Staatsangehörige handele.

Zum Gedenken an Opfer und Verletzte des Anschlags am Rande des CSD in Berlin wehen die Fahnen in Schleswig-Holstein auf halbmast. Die Trauerbeflaggung habe CDU-Innenministerin Magdalena Finke als Zeichen der Anteilnahme angeordnet, teilte das Ministerium in Kiel mit.

"Meine Gedanken sind bei der Verstorbenen, den Schwerverletzten sowie ihren Familien und Freundinnen und Freunden", sagte Finke. "Für Schleswig-Holstein gilt: Wir schützen die Christopher Street Days in unserem Land." Für alle Veranstaltungen bestünden bereits Sicherheitskonzepte, doch die Sicherheitsmaßnahmen würden weiter erhöht.

CSU-Chef Markus Söder hat grundlegende Veränderungen für den Umgang mit islamistischen Gefährdern gefordert. "Wir müssen die Zügel anziehen", sagte Söder zum Auftakt der Sommerklausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag im fränkischen Kloster Banz. Söder sprach sich dafür aus, zu prüfen, ob bei Gefährdern nicht grundsätzlich früher das Erwachsenenstrafrecht angewendet werden müsse. Haft solle eher die Regel als die Ausnahme sein.

Zudem müsse geprüft werden, ob Personen mit dem Nachweis eines entsprechenden Hintergrunds der Führerschein entzogen werden könne. "Gefährder brauchen keinen Führerschein", sagte Söder. Auch über das Thema Staatsbürgerschaft müsse gesprochen werden. Bayerns Ministerpräsident kündigte an, der Freistaat werde Vorschläge unterbreiten, die dann unter den Innenministern der Länder besprochen werden könnten.

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner CSD prüft das Bundesjustizministerium mögliche Konsequenzen. Ein Sprecher warnte in Berlin jedoch vor übereiltem Handeln. Er verwies auf eine ohnehin bereits geplante wissenschaftliche Studie zur Evaluierung des Jugendstrafrechts.

Der Sprecher wies darauf hin, dass die Ermittlungen in Verbindung mit dem Anschlag noch in vollem Gange seien. "Für eine abschließende Bewertung von gesetzgeberischem Handlungsbedarf ist es noch zu früh", sagte er weiter. Auch seien gerade erst im April Strafrechtsverschärfungen in Kraft getreten, die rechtliche Lücken geschlossen hätten.

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD ist auch in der Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam eine Gedenkveranstaltung geplant. Die Veranstaltung findet ab 17.30 Uhr auf dem Alten Markt statt, hieß es in einem Instagram-Post der Stadtverwaltung. Potsdam stehe an der Seite der queeren Community. Der Angriff habe "uns tief erschüttert". Nun wolle man gemeinsam ein Zeichen für Solidarität und Vielfalt setzen.

Die bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des CSD in Berlin getötete Frau stammte aus Polen. Das sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Warschauer Aufstand 1944 im Roten Rathaus. Bei dem Todesopfer handele es sich um eine polnische Staatsangehörige, die mit ihrer Tochter in Berlin gewesen und Opfer des Terroranschlags geworden sei, so der CDU-Politiker.

Wegner sprach dem Geschäftsträger der Republik Polen, Jan Tombinski, seine Anteilnahme aus. "Es bewegt mich sehr, was am Samstag passiert ist, und meine Gedanken sind bei Ihnen und vor allen Dingen bei der Tochter, der Familie der Ermordeten", sagte Wegner.

Bei einer Pressekonferenz in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, es sei für eine Antwort auf die Frage, welche politischen Konsequenzen sich aus dem Attentat beim Berliner CSD ergeben, zu früh. "Klar ist aber auch, es darf nicht nur bei Bekundungen bleiben", so Merz weiter.

Man werde mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit reagieren. Dies betreffe vor allem die Frage, wie es sein könne, dass ein als Gefährder eingestufter Mann diesen Anschlag habe verüben können, so der Bundeskanzler.

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner Christopher Street Day hat die SPD Unterstützung für queere Muslime gefordert. "Queere Muslime standen am Samstag mit in dieser Menge", sagte der stellvertretende queerpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Sie werden von Islamisten bedroht und danach pauschal in Mithaftung genommen."

Die Berliner Justiz hat die Aufhebung des Haftbefehls gegen den mutmaßlichen Attentäter vom Berliner CSD nach dessen Verurteilung im Mai verteidigt. Da das Gericht eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten für tat- und schuldangemessen erachtet habe und die Untersuchungshaft anzurechnen sei, sei dies nicht ungewöhnlich, teilte eine Sprecherin des Berliner Strafgerichts mit.

Gleichzeitig stellte die Sprecherin nochmals klar, dass der Verdächtige nicht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, sondern die Entscheidung über die Strafaussetzung zur Bewährung für ein halbes Jahr zurückgestellt wurde. Beschlossen wurde eine sogenannte Vorbewährung, die mit mehreren Auflagen verbunden war. Dazu zählten unter anderem Beratungsgespräche und die Anzeige von Wohnsitz- oder Aufenthaltswechseln.

Die Kleingartenparzelle, in der sich der Berliner Terrorverdächtige Abdul B. am Sonntag aufhielt und in der er später von der Polizei erschossen wurde, ist zurzeit nicht verpachtet, wie das Bezirksamt Spandau mitteilte. Sie steht also offiziell leer.

Die letzte Pächterin sei Anfang des Jahres gestorben, hieß es. Klar sei, dass das Grundstück nicht an den Vater des Verdächtigen oder andere Familienmitglieder verpachtet gewesen sei.

Der Berliner CSD-Verein hat betont, auch nach dem Attentat weiterhin laut für die Rechte queerer Menschen eintreten zu wollen. "Die Hetze, die wir im Internet und im Alltag erleben, ist keine schöne Situation und hat Folgen für unsere Sicherheit", sagte Marcel Voges, Vorstandsmitglied des Vereins, dem Spiegel. "Für mich bedeutet das, dass wir noch lauter und noch sichtbarer werden müssen."

Den schwerverletzten Opfern des Terroranschlags vom Samstag, die in der Berliner Charité behandelt werden, geht es besser. "Drei Patienten konnten inzwischen auf eine Normalstation verlegt werden, einer ist weiterhin auf einer Intensivstation, aber auch auf dem Weg der Besserung", sagte ein Sprecher des Krankenhauses.

Die Charité hatte acht Verletzte versorgt, von denen vier noch am Sonntag wieder nach Hause konnten. Die übrigen vier mussten nach Angaben des Klinik-Sprechers zum Teil notoperiert und anschließend intensivmedizinisch behandelt werden. Sie erlitten demnach vor allem Stichverletzungen, zum Teil aber auch mehrere Knochenbrüche infolge des Zusammenstoßes mit dem Fahrzeug.

Im tagesschau24-Interview hat der Berliner Queer-Beauftragte, Alfonso Partisano, nach dem Attentat auf den CSD von einem Gefühl der Unsicherheit in der LGBTQ-Community gesprochen. "Die Angst ist da, aber es ist natürlich auch der Wille da, weiterhin und jetzt erst recht sichtbar zu sein", so Partisano.

Zudem kritisierte er die mögliche Instrumentalisierung des Anschlags: "Das Ganze wird jetzt sicherlich missbraucht werden für Wahlkämpfe, aber das wird den queeren Menschen nicht helfen."

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Hendrik Hansen wird islamistische Homofeindlichkeit "systematisch unterschätzt". Es habe in den vergangenen Jahren europaweit diverse Angriffe von Islamisten auf queere Menschen gegeben, sagte Hansen von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung dem Tagesspiegel.

"Es gibt eine fatale Neigung, Islamismus als Reaktion auf Diskriminierungserfahrungen kleinzureden", wurde Hansen zitiert. "Das bedeutet, Islamismus ein Stück weit zu entschuldigen, als würden die Ursachen nicht beim Täter liegen, sondern bei der Gesellschaft."

Angst, Unverständnis und Forderungen nach Konsequenzen: Susette Kleine, rbb, berichtet bei tagesschau24 über die Gefühlslage der Berlinerinnen und Berliner nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day.

Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste, Konstantin von Notz, bezeichnete mögliche Versäumnisse bei der Überwachung des mutmaßlichen Attentäters von Berlin als "nicht hinnehmbar".

Ob die Behörden versagt hätten, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen, so der Grünen-Politiker bei tagesschau24. Zunächst müsse die notwendige Ermittlungsarbeit erledigt werden. Trotzdem frustriere es, dass der Anschlag nicht verhindert werden konnte, obwohl der Tatverdächtige den Behörden bekannt war.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat mit "großer Bestürzung und Trauer" auf den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day reagiert. "Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen", teilte der Verband mit.

Zudem stellte der ZMD klar: "Gewalt gegen Unschuldige findet im Islam keine Rechtfertigung." Wer Religion instrumentalisiere, um Hass zu schüren oder Gewalt auszuüben, handele gegen die ethischen Grundsätze des Islam und missbrauche den Glauben für menschenverachtende Ziele.

Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin ist ein zunächst festgenommener zweiter Verdächtiger wieder frei. Der Iraner sei entlassen worden, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mit. Der Tatverdacht gegen den Mann habe sich demnach nicht erhärtet.

Im Zusammenhang mit dem Zugriff in der Kleingartenanlage, bei dem der Tatverdächtige Abdul B. erschossen wurde, wurden drei Personen festgenommen, die sich vor Ort befanden. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios wird aktuell ermittelt, ob sie mit dem Anschlag in Verbindung standen oder etwas darüber gewusst haben.

Bei tagesschau24 hat der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg die Hintergründe des Attentats auf den CSD in Berlin als "typischen Fall" bezeichnet. Es gebe in Deutschland eine Vielzahl an islamistischen Gefährdern, wie es der 21-jährige Tatverdächtige war.

"Tatsache ist, man kann diese Personen nicht alle rund um die Uhr bewachen", erklärte Götschenberg. Im Falle des mutmaßlichen Attentäters von Berlin sei man zuletzt davon ausgegangen, dass keine konkrete Gefahr von ihm ausging, sodass keine intensiven Überwachungen stattgefunden haben.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat Unverständnis über die von einem Berliner Gericht verhängte Bewährungsstrafe für den mutmaßlichen Attentäter geäußert. "Im Ergebnis war das auf jeden Fall eine Katastrophe", sagte der CSU-Politiker im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Zudem betonte Herrmann, dass sich auch die mit dem Fall betrauten Richter bewusst sein müssten, "welche Verantwortung sie da auch für die Sicherheit der Menschen haben".

Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg sieht nach dem Anschlag in Berlin das Jugendstrafrecht auf dem Prüfstand. "Wir müssen grundsätzlich schauen, ob die gesetzlichen Maßstäbe, die wir aktuell haben zur Anwendung des Jugendstrafrechts, ob diese Maßstäbe noch zeitgemäß sind", sagte die CDU-Politikerin im ARD-Morgenmagazin.

Ob es eine falsche Entscheidung gewesen sei, bei dem 21-jährigen Tatverdächtigen das Jugendstrafrecht anzuwenden, könne man so nicht sagen, sagte Badenberg. "Das Gericht entscheidet nach der Auswertung der vorliegenden Erkenntnisse, ob bei einem Heranwachsenden das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenenstrafrecht anwendbar ist." Die Union fordere schon seit langem eine unabhängige wissenschaftliche Studie dazu, ob die Maßstäbe noch dem heutigen Stand der Entwicklungsforschung entsprechen.

Am Sonntagabend haben deutschlandweit zahlreiche Menschen der Opfer gedacht. Mahnwachen und Spontandemonstrationen gab es nach Angaben von Polizei und von CSD-Vereinen in etlichen Städten vom rheinland-pfälzischen Mainz über Erfurt in Thüringen bis ins sächsische Dresden.

Für Montagabend sind in zahlreichen Städten weitere Mahnwachen geplant - darunter etwa in München, Bremen, Schwerin und Hannover.

Mit einer mobilen Wache wird die Berliner Polizei heute rund um den Tatort des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) im Einsatz sein und Betreuungsangebote machen. Wer Unterstützung brauche oder reden möchte, könne sich jederzeit an die Beamtinnen und Beamten wenden, sagte ein Polizeisprecher. Der genaue Ort der Wache sei noch in der Abstimmung. Von dort, wo derzeit die Blumen abgelegt würden, soll er aber schnell aufzufinden sein.

Der Extremismus-Berater Thomas Mücke vom Violence Prevention Network (VPN) schilderte im Interview mit den tagesthemen den Eindruck seiner Mitarbeiter von Abdul B. "Er war sehr freundlich gewesen, nicht aggressiv, aber doch in seinen Antworten sehr angepasst und sehr ausweichend, was seine ideologischen Einstellungen angeht."

Zwei Gesprächstermine habe es gegeben. Dabei habe man nicht erkennen können, ob "wir mit ihm eine Arbeitsgrundlage finden können". Wäre es beim dritten Termin nächste Woche so geblieben, "dann hätten wir gesagt: Er erfüllt nicht die Voraussetzungen, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen."

Die Gefahr durch islamistischen Terror ist in Deutschland zuletzt nicht geringer gewesen als in den vergangenen Jahren, so der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt im Deutschlandfunk: "Die Terrorgefahr aus dem islamistischen Bereich ist nie geringer geworden", so Schmidt. "Was am Samstag passiert ist, war eine Frage von wann, nicht ob", so der Terrorismusexperte weiter.

Die Leiche des Tatverdächtigen Abdul B. wurde in der Nacht nach Einsatz der Spurensicherung in die Gerichtsmedizin gebracht. Der 21-Jährige war am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau erschossen worden.

In der Hamburger Innenstadt sind am Sonntagnachmittag Hunderte Menschen zu einer Mahnwache zusammengekommen. Zu der von Hamburg Pride organisierten Veranstaltung kamen nach Angaben der Veranstalter rund 600 Menschen. Unter den Teilnehmenden waren Vertreterinnen und Vertreter aus Senat, Bürgerschaft, Religionsgemeinschaften sowie der queeren Community.

Der langjährige Aktivist und frühere Vorsitzende von Hamburg Pride, Stefan Mielchen, rief dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der Anschlag mache traurig, fassungslos und wütend. "Aber er macht uns nicht sprachlos. Und schon gar nicht macht er uns unsichtbar." Der Hamburger Christopher Street Day findet am kommenden Wochenende unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!" statt.

Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, hat das Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder gefordert. "Die Politik darf nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern muss den gesamten Rechtsrahmen überprüfen und aus dem Fall die Konsequenzen ziehen", sagte Winkel dem Magazin stern. Gefährder dürften künftig nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden können, forderte Winkel. "Die dafür notwendige 'Reifeverzögerung' darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben."

Hintergrund ist die frühere Verurteilung des 21-jährigen mutmaßlichen Angreifers. Er war im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dem Magazin Stern zufolge wandte das Berliner Gericht Jugendstrafrecht an, weil es offenbar von Reifeverzögerungen ausging.

Die Verurteilung war bis zu seinem Tod nicht rechtskräftig, weil die Generalstaatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, da sie eine höhere Strafe forderte. Die Entscheidung über eine Aussetzung der Jugendstrafe zur Bewährung wurde für die Dauer von sechs Monaten zurückgestellt. Das Gericht hob den bestehenden Haftbefehl gegen Abdul B. auf.

Der Anschlag auf den Berliner CSD wird auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern eine Rolle spielen, nimmt ARD-Korrespondentin Anke Plättner an. Besonders die AfD werde diesen "ganz stark" thematisieren, so Plättner.

Sicherheitspolitiker haben ein härteres Vorgehen gegen Gefährder und Islamisten gefordert. "Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind", sagte der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann, dem Handelsblatt.

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, verlangte einen härteren Kurs. Bei Anhängern der islamistischen Ideologie dürfe es "keinerlei Nachsicht geben", sagte er der Zeitung. Dies müsse sich bei Haft, Sicherungsverwahrung und Abschiebehaft widerspiegeln. "Es muss gelten: im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung."

Beim Berliner Christopher Street Day (CSD) ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt. Der Tatverdächtige, Abdul B., war zunächst auf der Flucht. Am Sonntagabend wurde der 21-Jährige bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

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