Vor 26 Tagen

LGBTQ-Aktivisten in der Türkei: Festgenommene Demonstranten in Istanbul wieder freigelassen

Nach Protesten gegen Anti-LGBTQ-Razzien hat die Polizei in der Türkei 106 Personen wieder freigelassen. Unter den Festgenommenen waren auch Journalisten.

In der Türkei sind mehr als 100 Demonstranten nach ihrer Festnahme wieder freigelassen worden. Sie hatten gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte bei Anti-LGBTQ-Razzien protestiert. Der Anwaltsverband CHD bestätigte am Mittwochabend die Freilassung aller 106 am Vortag festgenommenen Protestteilnehmer.

Unter den Festgenommenen waren nach Angaben des CHD und der Tageszeitung BirGün ein ARD-Journalist und ein BirGün-Reporter. Beide hatten demnach über die Proteste berichtet.

Die Demonstranten hatten sich am Dienstag vor dem Istanbuler Justizpalast versammelt. Menschenrechtsaktivisten wollten dort eine Erklärung verlesen, in der sie die ausgedehnten Razzien gegen Mitglieder und Aktivisten der LGBTQ-Community verurteilten. Bevor die Protestierenden Reden halten konnten, lösten die Beamten die Demonstration auf und nahmen zahlreiche Teilnehmer fest.

Behörden werfen Aktivisten Verbreitung »obszöner Inhalte« vor

Zu der Kundgebung aufgerufen hatten unter anderem Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschaften und Oppositionsgruppen. Die Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und queere Menschen.

Hintergrund sind Festnahmen zahlreicher Menschen nach Razzien der türkischen Polizei in Kneipen und Wohnungen von LGBTQ-Aktivisten am Sonntag. Nach Regierungsangaben wurden »Verfahren gegen 162 Verdächtige, neun Organisationen und 13 Unternehmen« eingeleitet, darunter in den Großstädten Istanbul, Ankara und İzmir. Die Behörden werfen den Festgenommenen die Verbreitung »obszöner Inhalte« sowie »Beihilfe zur Prostitution« vor. Außerdem wurden zahlreiche Websites und Konten in Onlinediensten gesperrt.

Bis Mittwochabend hatten Gerichte laut der LGBTQ-Organisation Kaos GL in mehreren Städten für 81 der am Sonntag Festgenommenen Untersuchungshaft angeordnet. Kaos GL war bei den Razzien am Sonntag ebenfalls ins Visier geraten.

Am Mittwoch wurden zudem 33 weitere Menschen in Istanbul einem Richter vorgeführt – nach Angaben von Kaos GL wurden 20 von ihnen inhaftiert, die übrigen 13 wurden demnach unter Auflagen freigelassen. Mindestens neun der Inhaftierten sind Vertreter von LGBTQ-Organisationen.

Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar. Zugleich ist Homophobie weit verbreitet. Präsident Recep Tayyip Erdoğan schmäht immer wieder Menschen aus der LGBTQ-Gemeinschaft und beschimpft diese als »Perverse«. Die Regierung verteidigte die Razzien als Maßnahme zum Schutz von »Kindern und der Institution der Familie«.

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