Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den CSD in Berlin sehen internationale Medien in dem Vorfall vor allem die Gefahr einer weiteren Stärkung der AfD. So schreibt etwa die französische Zeitung Les Dernières Nouvelles d'Alsace (DNA): »Die Zeit der Willkommenskultur (…) ist vorbei. Die schwarzen Schafe fallen immer mehr ins Auge als die Tausenden von erfolgreichen Integrationsfällen.« Zeitgleich stehe die AfD in vielen Umfragen ganz oben. »Natürlich wird die AfD den Anschlag ausnutzen, denn jedes Versagen der Behörden bringt ihr neue Wählerstimmen ein.«
Auch die italienische Zeitung La Repubblica konzentriert sich darauf, wie Rechte den Angriff ausnutzen werden. Die AfD fordere seit Langem, Abschiebungen auch auf Menschen mit deutschem Pass auszuweiten, die sich »nicht integrieren«. Der mutmaßliche Attentäter Abdul B. war in Berlin geboren worden. Mit Blick auf die Umfragewerte vor den Wahlen im Herbst und seine möglichen Folgen jage der Terroranschlag einen »Schauder über den Rücken«.
Medien schließen sich insgesamt den Stimmen deutscher Politiker an, die den Anschlag als einen Angriff auf die Freiheit und Toleranz bezeichneten. Er richte sich gegen das, »was unsere Gesellschaften ausmacht: den Kern menschlichen Fortschritts und der Freiheit«, schreibt die spanische Zeitung El País. Man dürfe sich davon nicht einschüchtern lassen.
Kritik an Justiz und Sicherheitsapparat
Konservativ-rechte Medien befassen sich derweil vor allem mit dem Hintergrund des mutmaßlichen Täters Abdul B. und kritisieren die möglichen Fehler der Justiz und der Sicherheitsdienste. Letzteren sei B. als »mögliche Bedrohung« bekannt gewesen, schreibt der niederländische De Telegraaf. Dass der mutmaßliche Täter die Jugendstrafanstalt nach einer vorhergegangenen Verurteilung vorzeitig verlassen habe – unter der Bedingung, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen – habe sich als »Farce« erwiesen. Die Zeitung forderte härtere Strafen: »Milde Strafen können potenzielle Attentäter von solchen Taten ebenso wenig abhalten wie Therapien.«
Der Anschlag zeige, »dass die größte Gefahr für Europa nach wie vor aus dem dschihadistischen Lager kommt«. Die rechtsliberale dänische Tageszeitung Jyllands-Posten schreibt: »Die Sicherheitslage in Europa ist also wieder ein wahr gewordener Albtraum.«
Der Schweizer Tages-Anzeiger fordert indes die Prüfung gesetzlicher Verschärfungen, die bereits beim Innenministerium liegen würden. Demnach könnten Verfassungsschutz und Bundespolizei künftig bei akuten Bedrohungslagen heimlich Wohnungen durchsuchen sowie KI-gestützte Gesichtserkennung im öffentlichen Raum nutzen dürfen. Auch die Überwachung sozialer Netzwerke, auf denen sich junge Männer radikalisieren könnten, sei »ein weiterer Hebel«. Dies passiere derzeit von Hand und sei nicht ausreichend.