Vor 5 Stunden

Hamburger CSD: Rekorddemo mit verschärfter Sicherheit

Beim größten Hamburger CSD aller Zeiten haben 150 Gruppen ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz gesetzt. Nach dem Anschlag in Berlin wurden die Sicherheitsmaßnahmen mit deutlich mehr Polizei verschärft.

Rund 55 Trucks und 80 Fußgruppen zogen durch die Hamburger Innenstadt, um ein buntes Zeichen für Vielfalt und Toleranz zu setzen. Nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD waren die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Demo noch einmal verschärft worden. Der Hamburger Christopher Street Day zog damit bundesweit Aufmerksamkeit auf sich - mit 150 angemeldeten Gruppen war es der bisher größte CSD in Hamburg.

Die Kundgebung unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst" fand nur eine Woche nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner CSD statt. Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben von Polizei und Veranstaltern auf den Straßen. Im vergangenen Jahr waren es etwa 260.000 Menschen gewesen.

Eigener Wagen aus Berlin

Der Berliner CSD-Verein nahm mit einem eigenen Wagen an der Demonstration teil. Die dort Mitfahrenden trugen dunkle Kleidung: "Weitermachen und Innehalten gehören für uns zusammen", schrieb der Verein bei Instagram. Es werde auch in Berlin wieder einen CSD geben - mit der kurzfristigen Teilnahme wolle man "Hamburg Pride" jetzt den Rücken stärken.

Unter den Teilnehmenden waren auch Politikerinnen und Politiker aus Hamburg und dem Bund, darunter der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Matthias Miersch, die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang und die Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne).

Doppelt so viel Polizei

Die Polizei in Hamburg setzte doppelt so viele Beamtinnen und Beamte ein wie im vergangenen Jahr, dazu kamen Betonpoller sowie Lastwagen, die als Barrieren auf den Straßen standen und bei Rettungseinsätzen schnell zur Seite gefahren werden konnten. Konkrete Gefährdungshinweise für den CSD an diesem Samstag lagen den Sicherheitsbehörden bis zuletzt nicht vor. "Hamburg Pride" stand zudem in ständigem Austausch mit der Polizei.

Bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in Berlin war am 25. Juli am Abend des CSD ein Kastenwagen in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau wurde getötet, 31 Menschen wurden verletzt. Der 21-jährige Täter wurde später bei einem Polizeieinsatz erschossen. Auf seinem Handy hatten die Ermittler später ein Bekennervideo zum so genannten Islamischen Staat gefunden.

Die CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street in New York stürmte. Das gilt als Geburtsstunde der modernen Lesben- und Schwulenbewegung.

as/gri (afd, dpa, ap, ndr)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.