Vor 5 Stunden

Die Queerfeindlichkeit der Rechtsextremen wird unterschätzt

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin wird richtigerweise vor allem die islamistische Szene ins Visier genommen. Aber auch die extreme Rechte bedroht das Leben von LGBT-Menschen. Ein Blick auf die Zahlen dürfte viele überraschen.

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin wird richtigerweise vor allem die islamistische Szene ins Visier genommen. Aber auch die extreme Rechte bedroht das Leben von LGBT-Menschen. Ein Blick auf die Zahlen dürfte viele überraschen.

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin versuchten einige Linke und Rechte, politisches Kapital aus dieser entsetzlichen Tat zu schlagen. Es gab linke Stimmen, die allein „Rechten“ und „Konservativen“ die Schuld für wachsende Queerfeindlichkeit gaben – und absurderweise für einen islamistischen Anschlag. Das ist eine politische Bankrotterklärung. Der Anschlag müsste jedem klarmachen, dass Islamisten ein klerikalfaschistisches Weltbild vertreten, das die liberale Demokratie abschaffen will und damit auch die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transpersonen (LGBT).

Gleichzeitig ist es zynisch, wenn ausgerechnet die AfD sich als „einziger Garant“ für die Sicherheit von LGBT-Menschen inszeniert, wie es Lena Kotré, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion im Brandenburger Landtag, nach dem Anschlag auf der Plattform X tat.

Die AfD ist eine nicht nur rechtsextreme, sondern in weiten Teilen homophobe und transfeindliche Partei, einige ihrer Vertreter verhöhnten in den vergangenen Jahren den queeren Pride Month durch einen rechtsnationalistischen „Stolzmonat“.

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Islamisten-Anschlag in BerlinDie tödliche Gefahr

Der CSD-Anschlag wird von der extremen Rechten missbraucht, um rassistische Fantasien zu schüren. Für Leute wie Martin Sellner und Ruben Rupp, stellvertretender Vorsitzender der AfD in Baden-Württemberg, ist die Lösung klar: Massendeportationen von Ausländern. Das wird aber nicht alle Probleme des islamistischen Terrorismus hierzulande lösen.

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Die Sicherheit von LGBT-Menschen wird nicht nur von Islamisten, sondern auch von Rechtsextremen bedroht, und zwar weltweit. Im vergangenen Jahr fanden laut Zahlen der Amadeu Antonio Stiftung deutschlandweit 245 CSD-Veranstaltungen statt – bei fast der Hälfte soll es zu Angriffen oder Störungen gekommen sein, wobei knapp 50 Prozent von Rechtsextremen ausgingen.

Wir reden hier etwa von vermummten und bewaffneten Neonazis, die queere Menschen aggressiv einschüchtern. In vielen osteuropäischen Ländern werden Pride-Events von Rechtsextremen seit Jahren gewaltsam angegriffen. 2022 erschoss in Bratislava ein 19-Jähriger mit rechtsextremem Hintergrund zwei Männer vor einer LGBT-Bar und verletzte eine Person schwer.

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Es ist deshalb falsch, Islamismus gegen Rechtsextremismus auszuspielen. Denn es gibt keinen „besseren“ Extremismus. Beide Phänomene gefährden queere Communitys – trotz offensichtlicher Unterschiede in der Ideologie und der Natur der Gefährdung.

Aber wir sollten uns auf deren Gemeinsamkeiten konzentrieren: Sowohl Rechtsextreme als auch Islamisten bekämpfen eine liberale Demokratie, in der jeder ohne Angst verschieden sein kann. Ihre Ablehnung von LGBT-Menschen ist ein Ausdruck davon – wie sie ja übrigens auch den Antisemitismus gemeinsam haben.

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin ist es deshalb wichtiger denn je, sich mit denjenigen zu solidarisieren, die von beiden extremistischen Gruppen so vehement bekämpft werden.

Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung dieses Beitrags fehlte der Hinweis auf das Attentat von Bratislava.