Vor 3 Stunden

CSD-Anschlag: Islamismusexperte warnt vor Radikalisierung weiterer junger Männer

Der CSD-Anschlag bringt Debatten über deutschen Islamismus wieder aufs Tableau. Der Islamwissenschaftler Jaraba will Moscheen besser einbeziehen, der Antisemitismusbeauftragte Klein setzt hingegen auf mehr Härte.

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Angesichts des islamistischen Anschlags auf den Christopher Street Day in Berlin fürchtet der Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba die Radikalisierung weiterer junger Männer. Entsprechend sei es seitens der Politik dringend notwendig, mehr in Prävention und Deradikalisierung zu investieren, sagte der Experte vom Forschungszentrum Islam und Recht in Europa der Universität Erlangen. Dabei müssten Moscheegemeinden gezielt einbezogen werden.

»Daran gibt es auch großes Interesse, doch sie haben zu wenige Ressourcen und oft auch kein Vertrauen vonseiten der Behörden« sagte Jaraba. Hier passiere derzeit noch »extrem wenig«, teilweise würden Mittel sogar gekürzt. »Dabei ist sich die Wissenschaft einig: Es wird in Zukunft noch zu mehr Radikalisierungen von jungen Menschen kommen.«

Moscheen per se seien nicht das Problem, aber es gebe einzelne salafistische Moscheegemeinschaften, die radikale Inhalte verbreiteten. Zusätzlich existierten kleinere radikale Gruppierungen, die auf örtlicher Ebene aktiv seien. »Die müssen nicht unbedingt an eine Moschee angebunden sein, die Treffen können auch in privaten Räumen stattfinden«, sagte Jaraba. Das Phänomen sei nicht auf den städtischen Raum beschränkt, sondern auch auf dem Land zu beobachten. Von Verboten bestimmter salafistischer Moscheegemeinschaften hält Jaraba nichts. Immer wieder sei zu beobachten, dass es kurz nach einem Verbot genauso weitergehe wie zuvor – nur an einem anderen Ort, betonte er.

Junge Männer in der Identitätskrise

Empfänglich für radikale Inhalte seien vor allem Jugendliche, die das Gefühl hätten, nicht zur Gesellschaft zu gehören und Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. »Irgendwann sehen sie alles nur noch durch eine negative Brille, bewerten alles, was vom Staat oder der Gesellschaft kommt, skeptisch«, sagte der Islamwissenschaftler.

Da die muslimische Community hier nichts anbieten könne, entstehe eine Art Vakuum. »Und hier punkten die Salafisten mit ihren einfachen Antworten«, sagte Jaraba. Sie suggerierten den jungen Menschen, dass sie ohnehin keine Chance in Deutschland hätten, sich Schule und Ausbildung daher nicht lohnten und sie sich auf die Religion konzentrieren sollten. »Für junge Menschen, die zum Beispiel aus gespaltenen Familien kommen oder eine kriminelle Geschichte haben, die womöglich Schwierigkeiten in der Schule haben, ist das sehr attraktiv.« Die Salafisten böten ihnen »klare Regeln, etwa was das Beten, das Fasten, das Zusammenleben von Männern und Frauen angeht oder was 'erlaubt' ist und was nicht«. Junge Männer in einer Identitätskrise würden sich genau danach sehnen, lautet die Analyse des Experten.

Klein drängt auf Verschärfung des Strafrechts

Mit Blick auf die Radikalisierungsprozesse junger muslimischer Männer fordert der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zugleich eine Verschärfung des Strafrechts. »Seit Langem setze ich mich dafür ein, dass etwa Sympathiebekundungen für Terrororganisationen wieder strafbar sind, so wie es bereits bis 2002 der Fall war«, sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

»Dieser Anschlag war ein Angriff auf unsere demokratische Grundordnung und unsere vielfältige, freiheitliche und offene Gesellschaft«, sagte Klein mit Blick auf den CSD-Anschlag. »Wir dürfen nicht zulassen, dass von islamistischen Gefährdern eine tödliche Bedrohung für Minderheiten in unserem Land ausgeht. Zu diesen Minderheiten gehören auch Jüdinnen und Juden.«

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Bei dem Terroranschlag am Rande des CSD am Samstag wurden eine Frau getötet und 31 Menschen teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter Abdul B. soll auch eine Machete benutzt haben. Er starb am Tag nach dem Anschlag durch Schüsse von Polizisten, die ihn gestellt hatten. Auf seinem Handy wurde nach Angaben der Bundesanwaltschaft ein Video gefunden, in dem eine vermummte Person, mutmaßlich Abdul B. selbst, einen Treueschwur auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) leistet.