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Demonstrantin: »Ich lass mich davon nicht kleinkriegen. Und ich glaube, keiner hier lässt sich davon kleinkriegen. Und genau deshalb sind wir hier. Und genau deshalb feiern wir, wer wir sind und dass wir hier sind.«
Demonstrant: »Weil letzte Woche uns gezeigt hat, wie gefährdet queeres Leben ist. Und dass es leider Menschen gibt, die queeres Leben nicht akzeptieren, sondern angreifen.
Der Anschlag auf den Berliner CSD ist jetzt eine Woche her. Heute findet der Christopher Street Day in Hamburg statt. Letztes Jahr waren 260.000 Menschen hier auf der Straße, haben demonstriert, aber auch gefeiert. Und heute? Mit welchem Gefühl sind die Menschen heute da?
Demonstrant: »Mit einem sehr mulmigen. Vor allem, weil ich auch auf dem Weg hierher wieder viel Polizei gehört und gesehen habe. Und ich war in Berlin auch dabei. Und ich würde gerne heute einfach einen CSD erleben und nicht wieder sagen müssen, dass ich einen CSD überlebt habe.«
Demonstrant: »Mit einem Gefühl der Hoffnung und der Hoffnung darauf, dass wir heute erst recht auf die Straße gehen und zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen und für eine freie Gesellschaft eintreten.«
Haben Sie gezögert, heute hierhin zu kommen?
Demonstrantin: »Ich habe auf gar keinen Fall gezögert. Es war eher. Jetzt erst recht.«
Demonstrantin: »Trotzdem ist das große Wort, die Überschrift dafür, dass ich irgendwie erst recht dachte, jetzt muss man heute herkommen und das machen.«
Demonstrant: »Auf der einen Seite bin ich heute Morgen aufgewacht mit dem Gedanken: mhm, weiß ich nicht. Aber auf der anderen Seite denke ich, genau das ist das, was die Leute wollen. Deswegen um so mehr hier herkommen.«
Auch die Organisatoren des Berliner CSD sind heute mit einem eigenen Wagen vor Ort.
Carolina Philipps, CSD Berlin: »Wir haben uns wahnsinnig gefreut über die Einladung des Hamburger CSDs, weil auch da zeigt sich Community. Aber wir haben schon gezögert, weil es natürlich sehr nahe beieinander ist. Die Wunden sitzen noch tief und unser Team geht auch sehr unterschiedlich mit der Situation um. Wir haben uns dann aber dazu entschlossen, dass wir uns ein Stück weit gegen diesen Hass werden möchten. Und zwar mit Sichtbarkeit, wie wir es schon so oft getan haben. Und dass wir auch wieder aufstehen.«
Die Polizei ist heute tatsächlich mit mehr Einsatzkräften vor Ort als ursprünglich geplant. Überall in den Seitenstraßen hier stehen die Polizei, Autos oder Hilfe aus anderen Bundesländern. Und gerade hier im Bereich des Hauptbahnhofs sieht man auch immer wieder Kräfte mit Maschinenpistolen. Das ist für eine Demonstration doch ziemlich ungewöhnlich.
Demonstrantin: »Die Sicherheitsvorkehrungen wurden in Hamburg noch mal überprüft. Darauf verlasse ich mich. Jetzt erst recht.«
Demonstrantin: »Ich fühle mich im Grunde auch echt sicher, das wird gut gehen alles. Und wir sollen uns davon nicht abschrecken lassen. Wir stimmen.«
Demonstrant: »Man muss immer wachsam sein. Die Geschichte in Berlin hat gezeigt, besonders am Rande von Veranstaltungen, auf dem Weg dahin, nicht direkt auf dem Veranstaltungsbereich, sondern im Umfeld, muss man die Augen offen halten. Das ist heutzutage leider so, fürchte ich.«
300.000 Menschen sollen nach Angaben der Polizei heute in Hamburg auf die Straße gegangen sein. Eine Rekordzahl. Und obwohl viele teilweise ausgelassen feiern, ist die politische Bedeutung des Protests vielleicht hoch wie nie. Denn nicht nur der Islamismus, sondern auch die extreme Rechte stellt eine massive Gefahr für queeres Leben dar.
Demonstrant: »Die Rechtsextremen sind immer noch die, die uns am häufigsten bedrohen. Dieser Anschlag war furchtbar und Islamismus ist eine riesige Gefahr für uns alle. Rechtsextremismus ist deswegen aber nicht weniger gefährlich. Und wenn ich an Leipzig und Chemnitz und andere CSDs, die ich letztes Jahr im Osten besucht habe, zurückdenke, da waren es eben die Rechtsextremisten, die uns aufgelauert und verfolgt haben.«
Um queere Menschen besser zu schützen, fordern viele auch eine Anpassung des Grundgesetzes.
Demonstrant: »Wir müssen demonstrieren, weil die Gleichstellung und die gleichen Rechte sind immer noch nicht gegeben. Schau dir den Artikel Drei des Grundgesetzes an. Da sind noch Lücken und die würden wir gerne schließen.«
Der Artikel Drei des Grundgesetzes soll die Gleichberechtigung der Geschlechter garantieren und Diskriminierung verbieten. Seit dem Anschlag vor einer Woche in Berlin wird in der Politik diskutiert, die »Sexuelle Identität« als Diskriminierungsmerkmal mit aufzunehmen.
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